
Wenn im Herbst große Vogelschwärme am Himmel zu beobachten sind, beginnt für viele Arten eine lange Reise. Manche verlassen ihre Brutgebiete vollständig, andere ziehen nur über kürzere Strecken – und wieder andere bleiben das ganze Jahr über bei uns.
Ein historisches Informationsblatt des Vogelschutzvereins Beerfelden widmete sich diesen „Nomaden der Lüfte“ und der Frage, warum Vögel aufbrechen und wie sie ihren Weg finden.
Zugvogel, Teilzieher oder Standvogel?
Nicht alle Vogelarten folgen demselben Rhythmus.
Zugvögel verlassen ihre Brutgebiete regelmäßig und verbringen einen Teil des Jahres in anderen Regionen. Dabei können sie große Entfernungen bis zu ihren Winterquartieren zurücklegen.
Teilzieher ziehen nur teilweise fort. Je nach Herkunft, Witterung und Nahrungsangebot kann ein Teil der Population bleiben, während andere Tiere auf Wanderschaft gehen.
Standvögel verbleiben dagegen das ganze Jahr über weitgehend in ihrem angestammten Gebiet.
Warum ziehen Vögel überhaupt fort?
Nicht allein die winterliche Kälte bewegt Vögel zum Aufbruch. Ein wichtiger Grund ist die knapper werdende Nahrung. Insekten verschwinden, Pflanzen tragen weniger Samen und andere Futterquellen sind schwerer erreichbar.
Die Vögel folgen deshalb den Bedingungen, unter denen sie weiterhin ausreichend Nahrung finden können. Je nach Art führen ihre Zugwege dabei in unterschiedliche Richtungen und Winterquartiere.
Gemeinsam auf großer Reise
Viele Zugvögel schließen sich während ihrer Reise zu Schwärmen zusammen. Besonders auffällig sind die Formationen, die sich am Himmel bilden. Einige Arten fliegen hintereinander oder in einer deutlich erkennbaren V-Formation.
Wer im Herbst aufmerksam nach oben schaut, kann solche reisenden Vogelgruppen auch über dem Odenwald beobachten.
Wie finden Zugvögel ihren Weg?
Die Orientierungsleistung der Zugvögel ist erstaunlich. Auf ihren oft langen Reisen nutzen sie verschiedene Hilfen:
- auffällige Landschaftsmerkmale
- den Stand der Sonne
- den Sternenhimmel
- das Magnetfeld der Erde
Diese unterschiedlichen Orientierungsmöglichkeiten helfen ihnen, ihre Zugrichtung beizubehalten und ihre Winterquartiere zu erreichen.
Was die Vogelberingung verrät
Um die Wege der Zugvögel zu erforschen, werden Vögel wissenschaftlich beobachtet und teilweise beringt. Die kleinen Ringe tragen eine individuelle Kennzeichnung.
Wird ein beringter Vogel später erneut gefunden oder kontrolliert, können Fachleute nachvollziehen, woher er kam und welche Strecke er zurückgelegt hat. Auf diese Weise wurden viele Erkenntnisse über Zugwege und Winterquartiere gewonnen.
Vogelzug über dem Odenwald
Der herbstliche Vogelzug findet nicht nur in fernen Ländern statt. Er ist auch direkt vor unserer Haustür zu erleben. Der Blick in den Himmel lohnt sich jetzt besonders: Ziehende Vögel machen sichtbar, wie eng unterschiedliche Landschaften und Lebensräume miteinander verbunden sind.
Textgrundlage: Historisches Informationsblatt „Vogelzug – Nomaden der Lüfte“ des Vogelschutzvereins Beerfelden e.V. Für die Website neu formuliert und gekürzt.

Schreibe einen Kommentar